Nachdem für mich feststand, dass ich in die USA auswandern und ein Unternehmen in Florida kaufen möchte, kam relativ schnell die nächste Herausforderung:
Wie filtert man überhaupt die richtigen Businesses heraus?
Denn wenn man anfängt, amerikanische Business-Portale durchzusehen, merkt man schnell:
Die Auswahl ist riesig.
Tankstellen.
Restaurants.
Bistros.
Online-Businesses.
Laundromats.
Car Washes.
Dienstleistungsunternehmen.
Franchise-Modelle.
Am Anfang wirkt vieles interessant. Aber irgendwann muss man anfangen, klare Kriterien zu definieren. Sonst verliert man sich komplett in Möglichkeiten, Zahlen und Versprechungen.
Bei mir war ein großer Vorteil, dass ich örtlich relativ flexibel war.
Ich wusste nur:
Florida.
Ob Ostküste oder Westküste, Miami, Tampa, Orlando oder Fort Lauderdale — das war für mich zunächst offen. Dadurch war die Auswahl natürlich deutlich größer und die Wahrscheinlichkeit höher, ein wirklich gutes Angebot zu finden.
Und genau dann beginnt eigentlich die eigentliche Arbeit:
Das Aussortieren.
Für mich war eines der wichtigsten Kriterien ein möglichst einfaches Geschäftsmodell.
Nicht einfach im Sinne von „leicht verdientes Geld“ — sondern einfach in der Struktur.
Ich wollte kein Business kaufen, bei dem ich erst ein Jahr lang Spezialwissen aufbauen muss, bevor ich überhaupt verstehe, wie der Laden funktioniert.
Gerade als Auswanderer hat man ohnehin schon genug neue Themen gleichzeitig:
Visa.
Banken.
Steuern.
Behörden.
Alltag.
Sprache.
Neue Umgebung.
Da wollte ich nicht zusätzlich noch ein hochkomplexes Unternehmen übernehmen, das komplett von Spezialwissen abhängt.
Deshalb habe ich gezielt nach Businesses gesucht, die relativ klar und nachvollziehbar funktionieren.
Ein weiteres wichtiges Kriterium war das Alter des Unternehmens.
Alles unter sieben Jahren habe ich für mich praktisch direkt aussortiert.
Warum?
Weil ich ein etabliertes Business wollte. Ein Unternehmen, das bereits bewiesen hat, dass es langfristig funktionieren kann.
Ich wollte nicht nur kurzfristige Zahlen sehen oder irgendwelche zufälligen Hochphasen. Mich hat interessiert:
Wie entwickelt sich das Geschäft über viele Jahre hinweg?
Wie stabil ist der Cashflow?
Wie verhält sich das Business in unterschiedlichen Marktphasen?
Denn erst dann bekommt man ein realistisches Bild.
Ein Punkt, den viele komplett unterschätzen, ist außerdem die Motivation des Verkäufers.
Für mich war das Idealszenario immer ein Eigentümer, der nach 20 oder 30 Jahren in Rente gehen möchte.
Das ist nachvollziehbar.
Man sieht oft ein gewachsenes Unternehmen mit stabilen Strukturen und jemandem, der sein Lebenswerk ordentlich übergeben möchte.
Natürlich gibt es auch andere legitime Verkaufsgründe. Aber dort muss man genauer hinschauen.
Denn viele Businesses werden verkauft, weil der Eigentümer Probleme loswerden möchte.
Und genau das braucht man nicht, wenn man gerade in ein neues Land auswandert.
Außerdem habe ich sehr stark darauf geachtet, wie viel Arbeitszeit das Unternehmen tatsächlich verlangt.
Für mich persönlich kam kein klassisches Vollzeitbusiness infrage.
Ich wollte bewusst ein Unternehmen, das mit relativ wenig Zeitaufwand steuerbar ist — idealerweise acht bis zehn Stunden pro Woche.
Nicht, weil ich „wenig arbeiten“ wollte. Sondern weil ich Zeit brauchte, um mich in den USA einzuleben, neue Projekte aufzubauen und den Markt besser kennenzulernen.
Auch die Lage des Unternehmens war extrem wichtig.
Gerade in den USA kann derselbe Business-Typ je nach Gegend komplett unterschiedlich funktionieren.
Ein klassisches Beispiel sind Tankstellen.
Es gibt gute Tankstellen-Businesses. Aber es gibt eben auch viele Standorte in problematischen Gegenden mit Diebstahl, schwieriger Kundschaft oder sozial schwierigen Strukturen.
Und selbst wenn die Zahlen gut aussehen — so ein Alltag muss auch persönlich zu einem passen.
Ich wollte kein Business, bei dem ich mich ständig mit Problemen herumschlagen muss.
Deshalb habe ich sehr genau auf Einzugsgebiet, Wohnumfeld und allgemeine Standortqualität geachtet.
Und dann kommt noch ein Punkt, den man gerade am Anfang unbedingt verstehen muss:
Die Zahlen auf Business-Portalen sind oft mit Vorsicht zu genießen.
Teilweise stimmen sie ungefähr. Teilweise sind sie reine Fantasie.
Wenn jemand ein Unternehmen für 200.000 Dollar verkauft und gleichzeitig behauptet, man könne damit 300.000 Dollar pro Jahr verdienen, sollte man zumindest anfangen, kritisch nachzufragen.
Denn wenn das wirklich so einfach wäre — warum verkauft der Eigentümer dann überhaupt?
Deshalb ist Due Diligence extrem wichtig.
Nicht emotional kaufen.
Nicht aus Euphorie.
Nicht aus Zeitdruck.
Sondern ruhig analysieren:
Ist das Geschäftsmodell stabil?
Ist die Rendite realistisch?
Passt das Business wirklich zur eigenen Lebenssituation?
Und kann man sich vorstellen, dieses Unternehmen tatsächlich zu führen?
Denn genau darum geht es am Ende.
Nicht um Hochglanz-Inserate.
Sondern um eine tragfähige Grundlage für ein neues Leben in den USA.


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