Eine Frage, die ich inzwischen öfter bekomme:
Warum arbeite ich eigentlich nicht selbst täglich in meinem Laden?
Denn viele stellen sich unter einem eigenen Business automatisch vor, dass der Eigentümer permanent vor Ort sein muss. Gerade bei kleineren Businesses in den USA entsteht oft dieses Bild:
Der Unternehmer steht selbst hinter der Theke, bedient Kunden und macht alles alleine.
Aber genau das wollte ich bewusst nicht.
Mein Business in Florida läuft aktuell mit ungefähr sechs bis acht Stunden Arbeit pro Woche für mich persönlich. Dafür erwirtschaftet das Unternehmen ungefähr 50.000 bis 60.000 Dollar Gewinn pro Jahr.
Natürlich könnte ich deutlich mehr verdienen, wenn ich selbst Vollzeit im Laden arbeiten würde.
Wenn ich sechs Tage die Woche selbst hinter der Theke stehen würde, Kunden bedienen, Schichten übernehmen und Personal einsparen würde, käme ich wahrscheinlich irgendwo im Bereich von 100.000 bis 120.000 Dollar jährlich heraus.
Die Frage ist nur:
Wäre das wirklich die beste Nutzung meiner Zeit?
Und genau dort beginnt aus meiner Sicht ein Denkfehler, den viele Unternehmer machen.
Man muss sich immer fragen:
Welche Tätigkeit erzeugt den höchsten Wert?
Denn wenn ich selbst hinter der Theke stehe, ersetze ich letztlich eine Tätigkeit, die sich relativ einfach delegieren lässt.
Die Mitarbeiter bei Sweeties verdienen ungefähr 20 bis 25 Dollar pro Stunde inklusive Trinkgeld. Das bedeutet vereinfacht gesagt:
Für ungefähr diesen Betrag kann ich mich selbst ersetzen.
Und genau deshalb macht es für mich wirtschaftlich keinen Sinn, dort dauerhaft selbst zu arbeiten.
Nicht weil die Arbeit „unter mir“ wäre. Überhaupt nicht.
Sondern weil meine Zeit in anderen Bereichen deutlich mehr Wert erzeugen kann.
Viele Unternehmer betrachten ihr Unternehmen emotional.
„Das ist mein Laden, also muss ich alles selbst machen.“
Aber unternehmerisch sollte man nüchterner denken:
Welche Aufgaben benötigen wirklich meine Erfahrung, mein Wissen und meine Zeit — und welche Aufgaben können andere genauso gut oder sogar effizienter übernehmen?
Gerade operative Tätigkeiten lassen sich oft sehr gut delegieren.
Hinter der Theke zu arbeiten erfordert keine jahrzehntelange Unternehmererfahrung, kein BWL-Studium und keine hochspezialisierte Expertise.
Man muss freundlich sein, zuverlässig arbeiten und grundlegende Abläufe verstehen.
Deshalb ist genau diese Tätigkeit relativ leicht ersetzbar.
Und genau das ist wichtig zu verstehen:
Viele Selbstständige sparen am falschen Ende.
Sie versuchen alles selbst zu machen, obwohl ihre eigene Zeit eigentlich viel wertvoller eingesetzt werden könnte.
Manchmal macht es wesentlich mehr Sinn, Mitarbeiter besser zu bezahlen, Verantwortung abzugeben und sich selbst für die Aufgaben freizumachen, bei denen man wirklich strategischen Mehrwert schafft.
Natürlich gibt es Situationen, in denen ich bewusst selbst im Laden arbeite.
Aber dann nicht primär wegen der Arbeitskraft, sondern wegen des direkten Kundenkontakts.
Wenn ich verstehen möchte:
Was wünschen sich Kunden?
Welche Produkte funktionieren gut?
Wo gibt es Verbesserungspotenzial?
Dann kann direkte Arbeit im Geschäft extrem wertvoll sein.
Nicht als Kassierer — sondern als Unternehmer, der Informationen sammelt.
Und genau das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Unterschied.
Viele Menschen kaufen sich mit einem Business einen Job.
Ich wollte mir ein System aufbauen.
Nicht perfekt.
Nicht riesig.
Aber stabil genug, damit ich meine Zeit dort einsetzen kann, wo sie den größten Hebel hat.


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